Strompreise – wie entstehen sie und warum sind sie so volatil?

Die Strompreise sind seit Jahren ein Thema und seit 2022 sehr volatil. Bevor jedoch auf die Preisentstehung am Strommarkt bzw. an den europäischen Strombörsen eingegangen wird, werden einige Grundlagen zu Energie, Energieträgern sowie deren Speicherformen und auch zum Thema Stromnetze erläutert. Dabei wird verdeutlicht, dass Strom im Gegensatz zu anderen Energieträgern nicht direkt gespeichert werden kann, sondern zunächst in andere Energieformen umgewandelt werden muss, um ihn speichern zu können. Die Speicherung und Verteilung von Strom erfolgt über komplexe Netzwerke, die Schwankungen im Verbrauch ausgleichen müssen. Die Preisgestaltung am Strommarkt erfolgt über verschiedene Märkte wie den Day-Ahead-Markt, den Intra-Day-Markt und den Regelenergie-Markt, wobei der Strompreis nach dem Merit-Order-Prinzip ermittelt wird. Die zunehmende Integration erneuerbarer Energien und Elektrofahrzeuge führt zu einer höheren Volatilität der Strompreise, wobei Lösungsansätze wie netzdienliches Laden und der Ausbau von Speicherkapazitäten eine Rolle spielen, um die Stabilität des Stromnetzes und die Preisschwankungen zu reduzieren.

Strompreise sind schon seit Jahren ein Thema und seit 2022 sehr volatil. Bevor hier auf die Preisentstehung am Strommarkt bzw. an den europäischen Strombörsen eingegangen wird, braucht es einige Grundlagen zu Energie, Energieträgern sowie deren Speicherformen und auch zum Thema Stromnetze.

Energieträger und Speicher

Beginnen wird mit gängigen Energieträgern und wie man sie speichert. Kohle kann man leicht auf grossen Halden lagern und nach Bedarf für die Erzeugung von Wärme und/oder Strom nutzen. Kohle hat eine mittlere Energiedichte aber die Lagerung ist einfach und günstig. Erdöl hat eine höhere Energiedichte und lässt sich verhältnismäßig einfach in großen Tanks lagern. Gas hat eine ähnliche Energiedichte und lässt sich ebenfalls recht leicht in Tanks lagern. Kernenergie, die wir in Brennstäben „lagern“, hat eine enorme Energiedichte, der Aufwand und die damit verbundenen Kosten sind aber auch hoch. Alle bisher besprochenen Energieformen haben aber eines gemeinsam; „Man kann sie lange im Voraus am Markt einkaufen, lagern und nach Bedarf in Wärme und/oder Strom umwandeln“. Korrekterweise müsste man nun noch Holz und andere brennbare Güter aufzählen und ebenso müsste man die unterschiedlichen Gasformen getrennt betrachten.

 

Enerie Gas Fosil

Eine sehr schöne Tabelle findet man unter Energiedichte.
Vergleichen wir alle diese Energieformen mit Strom, so unterscheiden sie sich dahingehend Grundlegen in der Speichermöglichkeit, denn Strom kann man nicht speichern! Vielfach kommt bei einem solchen Statement, dann als erste Reaktion; „Strom kann man schon speichern, wir haben doch Batterien“. Aber hier liegt der Irrtum. Wir speichern dort keinen Strom, wir wandeln diesen über chemische Prozesse um. Genauso wandeln wir Strom um, wenn wir ihn über Hydrolyse in Wasserstoff verwandeln, mit Hilfe von Strom E-Fuels erzeugen oder ihn in Form von kinetischer Energie (Pumpspeicher / Wasserkraft / Energy Vault Bettonspeicher (siehe Link) speichern. Wir wandeln Strom um in andere Energieformen, damit wir ihn speichern können und wir wandeln wieder zurück, wenn wir Strom brauchen. Beachtet man die jeweilige Verlustleistung, so ist der Unterschied zwischen der kWh ursprünglicher Energie und der daraus genutzten kWh (für Elektrofahrzeuge die Well-to-Wheel-Betrachtung) erschreckend schlecht. Preisbestimmend ist aber nicht nur der Verlust, sondern auch die Lagerfähigkeit in Bezug auf vorausschauende Einkaufsplanung.

Zur Vereinfachung möge der geneigte Leser verzeihen, dass auch in diesem Artikel weiterhin über das „Speichern“ von Strom geschrieben wird, wenn er in einen anderen Energieträger zum umgewandelt wird.

Stromnetze

Bevor wir uns aber mit der Preisgestaltung befassen, müssen wir erst einmal Stromnetze verstehen. Als Elektroautofahrer lernt man recht schnell den Unterschied zwischen Wechsel- und Gleichstrom. Viele verstehen aber auch nur, dass wir mit Gleichstrom schnell laden und mit Wechselstrom nur recht langsam laden. In die Batterien bringen wird den Strom aber nur mittels Gleichstrom und können daraus auch nur Gleichstrom beziehen. Unsere Motoren arbeiten aber mit Wechselstrom und unser Stromnetz funktioniert auch mit Wechselstrom. War da nicht im letzten Absatz etwas mit Umwandlungsverlusten? Zurück zum Stromnetz: Unser Stromnetz in Europa arbeiten mit 50 Hz Wechselstrom, in Amerika sind es 60 Hz. Wir müssen uns merken, dass wir 50 Hz Netzfrequenz haben und dass jeder Verbraucher, den wir einschalten, diese Frequenz sinken lässt oder umgekehrt jeder ausgeschaltete Verbraucher die Frequenz wieder steigen lässt. Ebenfalls müssen wir verstehen, dass die Schwankungsbreite aber nur 49,5 Hz bis 50,5 Hz beträgt. Darunter oder darüber gehen Geräte definitiv kaputt. Unsere Energieversorger sind daher verpflichtet, das Stromnetz zwischen 49,8 Hz und 50,2 Hz stabil zu halten. 

Zu Veranschaulichung stellen wir uns eine Badewanne voller Wasser vor. Jeder Verbraucher lässt unten Wasser rauslaufen und die Energieversorger müssen die gleiche Menge Strom (hier im Beispiel von Wasser) wieder nachlaufen lassen, wie unten herausfließt. Dabei muss der Wasserstand zwingend gleich bleiben bei einer Toleranz von 2 Millimeter! Das ist die Aufgabe und auch die große Herausforderung der Stromnetzbetreiber. Wird dann ein großer Verbraucher abgeschaltet muss ein Stromerzeuger gleichfalls sofort aufhören die entsprechende Menge nachzuliefern. Wir denken an den Wasserstand – er muss zwingend immer auf gleicher Höhe sein! Der Einfluss des einzelnen Verbrauchers auf den Wasserstand hängt aber auch vom Volumen in der Wanne ab. Je größer das Volumens des Wassers in der Wanne, desto kleiner ist die Auswirkung des einzelnen. Daher stellen wir uns unser Stromnetz aus einer riesigen Menge von einzelnen Badewannen vor, die oben an der Wasserlinie mit unterschiedlich dicken Rohren verbunden sind. Diese Rohre repräsentieren die einzelnen Netze unserer Stromversorger, die von Stadt zu Stadt und von Land zu Land sowie vom Nordkap bis Sizilien über ganz Europa miteinander verknüpft sind. Die Dicke der Verbindungsrohre regelt wie schnell sich zwei benachbarte Systeme stabilisieren können. Diese Analogie verdeutlicht, warum es überhaupt zu einem Blackout kommen kann, vor dem immer mal wieder gewarnt wird. Alles hängt zusammen und überall muss der Wasserstand identisch sein!

Strompreise

Nun haben wir gelernt, dass wir Strom nicht speichern, sondern jeweils nur umwandeln können, wenn wir gerade erzeugten Strom nicht direkt verbrauchen. Ebenfalls haben wir verstanden, dass Speicher unterschiedlich nutzbar sind in Bezug auf Energiedichte und Speicherkosten. Wie entsteht aber nun der Strompreis? Dazu bleiben wir mal bei der Badewanne. Der große (untere) Teil der Badewanne wird immer gleich genutzt, das bedeutet vorhersehbarer kalkulierter Zulauf und Ablauf, das nennt man die Grundlast. Der obere Teil der Badewanne ist dann der Teil, den man als Regelenergie bezeichnet. Die Grundlast wird hierbei über Terminmärkte (Futures) langfristig an der Europäischen Strombörse EEX in Leipzig (European Energie Exchange) teilweise bis zu sechs Jahre im Voraus gehandelt. Der Anteil der Regelenergie wird über Spotmärkte gehandelt. Er teilt sich in drei unterschiedliche Marktsegmente auf: In den Day-Ahead-Markt, den Intra-Day-Markt und den Regelenergie-Markt. Hierbei werden der Day-Ahead-Markt und der Intra-Day-Markt bei der Tochter der EEX, dem EPEX SPOT Markt in Paris (European Power Exchange) gehandelt. Teilnehmende Länder sind Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden und die Schweiz. Schauen wir uns dazu mal die Definition der beiden Märte an.

Day-Ahead-Markt

Der Day-Ahead-Handel ist eine Handelsart, die es den Marktteilnehmern ermöglicht, Strom für die Lieferung am nächsten Tag zu kaufen und zu verkaufen. Der Handel erfolgt über die Börse EPEX Spot oder via „Over The Counter“ (OTC)-Handel durch außerbörsliche Verträge. Diese Form des Handels von Stundenprodukten wird über eine Auktion abgewickelt, bei der Versorgungsunternehmen und andere Großkunden Gebote zum Kauf oder Verkauf von Strom abgeben. In Deutschland und Österreich müssen diese Gebote bis 12:00 Uhr mittags abgegeben werden. Die Ergebnisse der Zuschläge werden bis 12:40 Uhr bekannt gegeben. Ab 15:00 Uhr können Gebote für den Folgetag abgegeben werden. Der Day-Ahead-Handel trägt dazu bei, den Strommarkt berechenbarer und flexibler zu machen. Durch den Kauf von Strom für den Folgetag, können Energieversorger Nachfragespitzen decken und das Risiko von Preisschwankungen verringern.

Intra-Day-Markt

Der Intra-Day-Markt handelt den Strom der nächsten 15 bis 60 Minuten. In der Viertelstunden-Eröffnungsauktion und im kontinuierlichen Viertelstundenhandel ist es möglich, elektrische Energie für jede Viertelstunde zu handeln. Vertragsabschlüsse 30 Minuten vor der Lieferung und Kontrakte für nur 15 Minuten ermöglichen eine enorme Flexibilität. Diese wird aber auch aufgrund der Bedeutung der fluktuierenden Erneuerbaren zwingend benötigt. Sie bietet gerade Erneuerbaren-Erzeugern die Chance, kurzfristige Wetterprognosen besser in ihrem Kalkül zu berücksichtigen und möglichst realistische Angebote zu machen. Jeder Stromverbraucher und Stromerzeuger muss die Strommenge, die er einspeist bzw. verbraucht prognostizieren. Diese Prognosen werden „Fahrpläne“ oder auch „Profile“ genannt, diese müssen am Tag vor der Erzeugung bzw. der Entnahme der Strommenge beim Übertragungsnetzbetreiber angemeldet werden. Im Intra-Day-Handel werden Stundenprodukte ab 15:00 Uhr des Vortages bis 30 Minuten vor Bereitstellung gehandelt (bis 5 Minuten vor Bereitstellung in derselben Regelzone). Viertelstundenprodukte werden ab 16:00 Uhr des Vortages bis 30 Minuten vor Auslieferung (bis 5 Minuten vor Bereitstellung in derselben Regelzone). Die kleinste Strommenge für den Handel beträgt 0,1 MWh (Megawattstunde). Der Preis bildet sich nach Geboten und wird somit Gebotspreis genannt.
Sehr viele weiter Informationen sind hier zu finden: https://www.next-kraftwerke.de/wissen

Regelenergie-Markt

Der Regelenergie-Markt ist dann der letzte Teil, der sekundengenau auf den tatsächlichen finalen Bedarf reagieren muss. Diesen Bereich kann man nicht wirklich handeln. Die notwendige Energie muss für den Bedarfsfall zwingend zur Verfügung stehen. Daher gibt es hier einen fixen Preis für die Vorhaltung per kWh und den Verbrauch per kWh. Hier muss der Versorger den Strom bereitstehen haben auch wenn er keinerlei Garantie hat, dass er auch gebraucht und somit abgenommen wird. Daher die Kombination aus Vorhaltungs- und Bezugspreis.

Strombörse und Preisbestimmung

Der Strompreis am Day-Ahead-Markt und dem Intra-Day-Markt wird nach dem Merit-Order-Prinzip ermittelt. Jeder Erzeuger bietet seine Strommenge zu seinem Angebotspreis an. Am Ende entstehen unterschiedliche Mengen zu unterschiedlichen Preisen von unterschiedlichen Erzeugern zur Verfügung. Im Handel wird nun die Menge zusammengekauft, die benötigt wird, um den Bedarf zu erfüllen. Der Bedarf ist hier im Day-Ahead-Markt der kalkulierte Bedarf für den nächsten Tag und im Intra-Day-Markt die Menge für die nächste Viertelstunde. Der letzte Anbieter, der gerade noch benötig wird, um die kalkulierte Menge an Strom zusammen zu kaufen bestimmt dabei die Grenzkosten. Dessen Gebot definiert sich in diesem Handelsfall als Grenzkosten, zu dem dann die gesamte einzukaufende Strommenge gehandelt wird. Dabei erhält auch der günstigste Anbieter den Preis der Grenzkosten pro kWh, obwohl er eigentlich deutlicher tiefer angeboten hat. Der erste Anbieter über der benötigten Strommenge wie auch alle anderen darüber liegenden Anbieter bekommen aber keinen Zuschlag mehr und können ihren Strom nicht mehr loswerden. 

Chart

Merit-Order-Prinzp oder Marktwirtschaft?

Ist das nun Marktwirtschaft? Das Merit-Order-Prinzip entspricht absolut den Gesetzen der Marktwirtschaft. Wir brauchen ja den Anreiz, dass jeder für sich seinen möglichst tiefsten Preis anbietet. Nur so entsteht der Wettbewerb und nur die günstigen Anbieter gewinnen an dieser Stelle. Alle Anbieter überhalb des jeweiligen Bedarfs werden ihren Strom ja nicht mehr los. Würde man dem günstigsten auch dann nur seinen angebotenen Preis bezahlen wird er automatisch höher anbieten. Daher ist das Merit-Order-Prinzip eben doch sehr marktwirtschaftlich orientiert und sorgt dafür, dass Angebot und Nachfrage den Preis regeln. Zusammengenommen lernt man daraus, dass der obere Teil der Badewanne (die Regelenergie) am Ende die preistreibende Kraft ist. Je besser der Verbrauch vorhersehbar ist, desto mehr Energiemenge wird in der kalkulierbaren Grundlast gehandelt. Je mehr Schwankung wir haben, je mehr wird im volatilen Bereich der Regelenergie gehandelt. Marktwirtschaft heißt aber auch, wir brauchen mehr Anbieter mit günstigen Preisen. Je mehr günstig erzeugte regenerative Energie am Markt verfügbar ist und über Batteriespeicher zu Preisen weit unter den Kosten der Stromerzeugung durch Gaskraftwerke zur Verfügung stehen, desto niedriger fallen die preisbestimmenden Grenzkosten aus!

Woher kommt die Volatilität?

Die oben aufgeführte Grafik zeigt den Bereich der Grundlast (Baseload) gelb an und die problematischen Bereiche des Day-Ahead- und Intra-Day-Marktes mit orangen Balken und Würfel. Je größer dieser Bereich ist, desto volatiler ist der Preis. Je teurer die Produktion in diesem Bereich, desto größer ist die Volatilität.

Jetzt haben wir gelernt, dass der obere Teil der Badewanne (die Regelenergie) der preisbestimmende Faktor ist. Wer bestimmt nun, wie hoch dieser obere Teil aber wirklich ist? Im Grunde ist der Schlüssel die Berechenbarkeit. Genau hier haben wir zwei sehr große Faktoren. Auf der einen Seite haben wir die Erzeuger. Die gewollte und geförderte regenerative Energieerzeugung aus Sonne und Wind sind sicherlich für die Umwelt sinnvoll, sie sind aber was die Regulierbarkeit des Wasserstandes in der Badewanne angeht leider denkbar ungeeignet. Beide Quellen stehen eben nicht konstant, schwer plan- und kalkulierbar zur Verfügung. Sie sind zu einem Teil für einen immer größer werdenden Anteil der Regelenergie verantwortlich. Im Gegenzug sind große Verbraucher, die schlagartig dazukommen oder abschalten genauso ein schwer kalkulierbarer Teil. Elektrofahrzeuge gehören dazu, gerade wenn sie große Menge schnell laden. Wir müssen also verstehen, dass regenerative Energien alleine schon ein Problem darstellen und Elektromobilität alleine gesehen dieses Problem durchaus verschärfen kann. Die Kombination aus beidem macht die Situation nicht einfacher. Zusammenfassend können wir festhalten, dass regenerative Stromerzeugung ohne Speicherfähigkeit der erste Teil des Problems ist. Speicher für Strom sind die nächste Stufe. Wir können den Strom nicht speichern, sondern müssen ihn mit Verlusten umwandeln. Am Regelenergie-Markt brauchen wir aber sehr schnelle Reaktionszeiten. Kernkraftwerke sind viel zu träge und auch Stromerzeugung aus Kohle ist keine schnell regelbare Energiequelle. Am Markt stehen uns technologisch leider bisher kaum genutzte Batteriespeicher zur Verfügung. Bleiben uns Wasserkraft und Gaskraftwerke, auf die wir zurückgreifen müssen. Wasserkraft funktioniert in der Schweiz mit einem hohen Anteil von Bergregionen mit Stauseen bei einem im Vergleich zu Deutschland kleinen Bevölkerungsanteil sehr gut. In Deutschland geht das so nicht. Also hängt Deutschland zu einem sehr großen Anteil von der Stromerzeugung aus Gas ab, das aktuell extrem hochpreisig ist.

Stromerzeugung
Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Stromb%C3%B6rse_Stromverbrauch_Lastprofil.png

Lösungsansätze

Lösungsansatz

Elektrofahrzeuge mit ihren teilweise recht großen Batterien verschärfen die Situation aber können auch erheblich zur Lösung beitragen. Netzdienliches Laden und Vehicle to Grid sind hier die wesentlichen Stickworte.
Wir brauchen regenerativen Energien, um umweltschonend Strom zu erzeugen aber auch, um unabhängig von fremden Staaten zu werden. Lösen können wir das aber nur durch den parallelen Ausbau von Speichern. Hierbei unterscheidet man zwischen kurzfristigen Speichern und langfristigen Speichern. Regenerative Energie können wir mit Batterien vom Tag in die Nacht retten aber nicht vom Sommer in den Winter. Hier kann Wasserstoff helfen. Die tägliche Volatilität und das Retten des am Tag erzeugten Stromes in Dunkelflauten gelingt uns aber mit Batteriespeicher und kinetischer Energie (Wasserkraft oder die Betonbausteine von Energy Vault). Wir müssen also die Batteriespeicher genauso schnell ausbauen wie die Stromerzeugung mittels Photovoltaik und/oder Windkraft. Langjährige Verfolger des Unternehmens TESLA kennen hier sicherlich den Erfolg des Großspeichers in Hornsdale/Australien (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Teslas-Riesenakku-in-Australien-macht-sich-bezahlt-4259373.html oder https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Batterie-Speicherkraftwerken).

Was Elektroautofahrer heute schon tun können, zumindest wenn sie zu Hause laden und noch keine eigene PV-Anlage haben, ist die Nutzung von „netzdienlichem Laden“ (auch V1G oder SmartCharging genannt). Hier steckt man sein Fahrzeug konsequent an die Wallbox, die Steuerung der Ladung wird aber von einer App übernommen, die im Hintergrund auf die Daten der Stromlieferanten zurückgreift und die Ladung nach Möglichkeit so organisiert, dass diese Fahrzeuge nur dann laden, wenn zu viel Strom im Netz ist und im Falle einer Mangellage bei allen so gesteuerten Fahrzeugen die Ladung abbricht. Schön ist, dass es diese Möglichkeit heute schon gibt und dass wir auf keinerlei lokale Installation angewiesen sind. Man bezieht seinen Strom so über seine Wallbox und über seinen Stromerzeuger, wie man das bisher gewohnt ist. Wir installieren uns eine App und diese kennt durch Kontakt zum Fahrzeug dessen Standort, dessen Batteriestand (SOC), den gewünschten und wann zu erreichenden Soll-Ladestand und die Ladeleistung. Somit ermittelt die App die notwendige Ladezeit und versucht diese soweit möglich immer in Zeiten von Stromüberfluss zu legen. 

Bisher haben wir uns in diesem Artikel immer nur mit dem Strombedarf beschäftigt aber nicht mit dem Stromüberschuss. Haben wir einen wunderschönen sonnigen Sonntagnachmittag, die Fabriken stehen still, die Büros sind leer und die Hälfte der Bevölkerung mit Abkühlung im Schwimmbad, am See oder im Meer beschäftigt so haben wir auch gleichzeitig unglaublichen Überfluss an Photovoltaikstrom. Hier müssen die Erzeuger auch heute noch Geld dafür bezahlen, wenn sie den Strom abgeben müssen aber ihn keiner haben will, weil er nicht gebraucht wird. Hier schlägt dann die Stunde derer, die Speicherkapazitäten anbieten können. Sie können den Strom zu einem sehr kleinen Preis beziehen oder bekommen sogar Geld dafür, dass sie kWh abnehmen. An einem solchen schönen Sonntagnachmittag im August 2022 betrug der Preis für die Megawattstunde Strom an der EPEX um 12:00 Uhr € 13,00. An dem gleichen Sonntag ein paar Stunden später war die Himmel bedeckt, Gewitter droht, das Baden schnell beendet und die Mehrheit ist hungrig an den heimischen Herd gestürzt oder wahlweise zum nächstgelegenen Gastwirt geeilt. Infolge dessen stieg der Preis an eben diesem Sonntag plötzlich auf € 800,00 die Megawattstunde. Man sieht, wie stark das schwankt. Das sind nicht nur ein paar Prozent mehr, es sind genau gerechnet 6.153,85%! Wer jetzt Strom günstig anbieten kann und zum Preis der Grenzkosten gemäss Merit-Order-Prinzip verkauft zählt klar zu den Gewinnern. Jeder Elektroautofahrer (sofern sein Fahrzeug unterstützt wird) kann also durch „netzdienliches Laden“ dazu beitragen, dass der Bereich der Regelenergie in der obigen Grafik kleiner wird und damit der maßgeblich preistreibende Anteil des Strompreises reduziert wird.

Es stellt sich nun die Frage; „Wie kann ich als BEV-Fahrer „netzdienlichem Laden“ unterstützen? Nachfolgend werden zwei Apps vorgestellt, welche diese Möglichkeit unterstützen.

Jedlix

Schweizer laden sich die App Jedlix (https://www.jedlix.com). Dort wird das Fahrzeug mit der App verbunden und Ladebedarf und Wunsch konfiguriert. Für Schweizer gibt es für jede „netzdienlich“ geladene kWh eine Rückvergütung von 2 Rappen pro kWh. Die Rückvergütung ist unabhängig vom Stromtarif. Beim Stromlieferanten bezieht und bezahlt man den Strom, von Jedlix erhält man die Rückvergütung als Gutschrift auf sein Konto. Unterstützte Fahrzeughersteller sind hier BMW, Hyundai, Jaguar, Kia, Renault und TESLA.

Wer in Deutschland zu Hause ist besorgt sich die App Gridio (https://www.gridio.io). Eine Rückerstattung oder „Belohnung“ gibt es hier leider nicht. Dennoch ist die „Belohnung“ durch die Reduktion des Stromanteils am Regelenergie-Markt ein langfristig weniger stark steigender Strompreis. Unterstützte Fahrzeughersteller sind hier Ford, Hyundai, Kia, TESLA und der VAG-Konzern (Audi, Cupra, SEAT, Skoda und Volkswagen).

Gridio

Zusammenfassung

Die Strompreise sind seit Jahren ein Thema und seit 2022 sehr volatil. Bevor jedoch auf die Preisentstehung am Strommarkt bzw. an den europäischen Strombörsen eingegangen wird, werden einige Grundlagen zu Energie, Energieträgern sowie deren Speicherformen und auch zum Thema Stromnetze erläutert. Dabei wird verdeutlicht, dass Strom im Gegensatz zu anderen Energieträgern nicht direkt gespeichert werden kann, sondern zunächst in andere Energieformen umgewandelt werden muss, um ihn speichern zu können. Die Speicherung und Verteilung von Strom erfolgt über komplexe Netzwerke, die Schwankungen im Verbrauch ausgleichen müssen. Die Preisgestaltung am Strommarkt erfolgt über verschiedene Märkte wie den Day-Ahead-Markt, den Intra-Day-Markt und den Regelenergie-Markt, wobei der Strompreis nach dem Merit-Order-Prinzip ermittelt wird. Die zunehmende Integration erneuerbarer Energien und Elektrofahrzeuge führt zu einer höheren Volatilität der Strompreise, wobei Lösungsansätze wie netzdienliches Laden und der Ausbau von Speicherkapazitäten eine Rolle spielen, um die Stabilität des Stromnetzes und die Preisschwankungen zu reduzieren.

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